8.7.16 – First Century-Day

Der tag soll geschätzten Berechnungen und Höhenprofilen nach flach und nicht allzu lang werden. Also lassen wir den Tag locker bei Bagle und Kaffee angehen und sind erst gegen 11 Uhr auf der Strasse. Die ersten Kilometer auf dem Highway am Swan Lake Wildlife Reserve entlang sind mühsam und wenig geniessbar. Doch dann drehen wir in die Wildniss ab und bahnen uns auf einem Verbund aus Forrest Roads den Weg durchs Tal.

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Völlig entgegen der Tagesplanung geht es dabei ständig hoch und runter. So treibt mit ein unerwartet langer Aufstieg unter der Mittagssonne die Schweissperlen ins Gesicht. Wo kommt plötzlich dieser Berg her?? Als wir so um die Windungen und Kurven der Schotterpiste herumfahren plötzlich eine hastige Bewegung im Unterhold direkt vor uns. Ich konnte zwar nicht erkennen, was so viel Geraschel verursacht hat, aber ein kleines Kaninchen war es sicher nicht! Mit viel Geklingel und Lärm gehts mit der Bären-Paranoia im Hinterkopf den lieben, langen Tag durch Montanas Nadelwälder. Ein paar Kilometer neben uns wälzt sich der Verkehr über den Highway, und doch bekommen wir die ganze Fahrt nichts davon mit. Auch wenn unsere Strecke nicht immer ganz leicht zu finden ist und wir des öfteren die Köpfe über den Karten und dem GPS zusammenstecken müssen. Denn der offizielle Weg hält heute alles für uns bereit! Highway zum Tagesbeginn, endlose Schotterpisten und sogar Single-Tracks sind zu bewältigen.

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Seit über 5h bahnen wir uns so nun schon den Weg gegen Süden. Und so überwältigt und voller Tatendrang, merken wir gar nicht, dass wir kaum Pausen eingelegt haben und uns völlig ausgepowert haben. So macht sich bald mal mein lädiertes Knie und der Ellenbogen des gebrochenen Arms bemerkbar. Hunzi pedalt vorab wie ein junges Reh, während ich auf dem letzten Zacken den Holland Lake erreiche. Aus der Stärkung in der Lodge am See wird allerdings nichts, da eine Hochzeitsgesellschaft das ganze Gelände für sich beansprucht. Also muss eine kurze Beef-Jerkey und Cheetos Stärkung seine Wirkung als Powerbreak erbringen. Der Campingplatz am See ist von lauter Wochenendtouristen völlig überlaufen und so beschliessen wir nochmals die Pläne zu ändern und den etwas höher liegenden und abgelegenen „Clearwater Lake“ anzusteuern.

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Diese 15km Tagesverlängerung bringen uns ein erstes Mal auf der Tour über 100 Tageskilometer. Und wir müssen uns jeden Kilometer davon hart erkämpfen. Denn der Pfad führt über Single-Trails tief ins Bear-Country rein.

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So erreichen wir den malerischen See am Ende eines Trampelpfades und stellen fest, dass wir tatsächlich die einzigen Gäste sind. Mitten im Bärengebiet, mutterseelen alleine stellen wir unsere Zelte am Seeufer auf. Am Fusse des Richmond Peak sitzen da also zwei ausgelaugte Schweizer, welche zwar von der Aussicht überwältigt sind und viele Fotos schiessen, aber absolut keinen Bock darauf haben mit ihren Kochkünsten allen Bären rund um den See ihre Anwesenheit mitzuteilen.

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Also müssen trotz akkutem Kalorienmangel wieder nur Beef-Jerkey und Cheetos ausreichen. Dann noch ein geeigneter Baum suchen um den Essenssack in bärensichere Höhe zu ziehen und ab ins Zelt. Für mehr als kurz die Beine im See waschen reicht es leider nicht.

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