Bevor wir aus Eureka raus können, müssen wir für mindestens zwei Tage Verpflegung einkaufen. Denn erst einmal die Whitefish Divide angesteuert, gibt es absolut nichts mehr. Also ab in den Supermarkt und die Taschen mit Wasser, Beefjerkey und sonstigem Food füllen. In den Gängen des Supermarkts treffen wir auf Scott aus Colorado, der vor dem Geschäft unsere Fahrräder sah. Wir tauschen uns kurz aus und wünschen eine gute Weiterreise. Auch wenn wir dasselbe Tagesziel haben, so sind die Pläne doch verschieden. Wir essen unser Frühstück vor dem Supermarkt, Scott will etwas „greasy, fatty“ aus dem Café. Frisch beladen mit etlichen Zusatzkilos gehts also aus der Stadt raus. Erst auf dem Old Tobacco Highway südwärts, bevor wir erneut den Bergen entgegen gen Westen abbiegen. Eine Strecke, die ich vor drei Jahren schon gefahren bin und mir damals die restliche Motivation für die Weiterfahrt auf der Great Divide nahm. Heute, drei Jahre spatter, gesund und mit der richtigen Ausrüstung ist der Anstieg kein Problem. Schon früh passieren wir den Punkt, an dem ich im Jahr 2013 umkehrte. Man kann heute noch die Botschaft von damals auf der Rückseite einer Strassentafel lessen. Und so schreibe ich voller Motivation meine „Comeback-Nachricht“ darunter. Es tut sehr gut, diesen Punkt zu erreichen und motiviert für den Rest der Tour daran vorbei zu ziehen.

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Kilometer für Kilometer fahren wir dem Grave Creek entlang ins Tal hinein und gewinnen dabei stetig etwas an Höhe. Die letzten vier Kilometer gehts dann aber so richtig in die Beine. Steiniger und steiler gehts der Divide entgegen. Eine Terrain-Verschärfung, die nicht bei allen gut ankommt. Schon den ganzen Tag kämpft Bögli mit seinem lädierten Knie und den Steigungen. So wandert meine Kniestütze irgendwann dann auch das Bein, doch einen Sturtz im letzten Anstieg macht die gesundheitliche Verfassung noch schlimmer. Nun ist auch noch eine Rippe angeknackst. Glücklicherweise ist der Gipfel nicht mehr fern und als wir auf dem groben Schotter die Passhöhe erreichen, sind wir alle froh, dass es den Rest des Tages bergab geht.

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Die Strasse erreicht den höchsten Punkt zwischen zwei Bergflanken, die eine kahl und die andere voller abgeknickter Tannen. Da haben die Lawinen im Winter ganze Arbeit geleistet. Dass auf meinen Karten die explizite Warnung „Watch out for Grizzly Bears“ steht, macht unsere Bären-Paranoia nicht besser. Doch es ist kein Bär, der uns einholt, sondern Scott von heute Morgen.

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Etwas entspannter rollen wir die nächsten Kilometer bis zum Campground zusammen. Gemeinsam schlagen wir die Zelte auf und kochen unsere Outdoor-Menüs. Drei jungen Herren und einem alten Hasen wie Scott gehen nie die Geschichten aus und so erzählen wir uns Story um Story aus unseren Leben. Wie er als junger Pistenrowdy sich einen Sessellift mit Donald Trump teilte und viele weitere lustige Anektoten. Es wird viel gelacht und geplaudert bevor wir vor den Moskitos flüchten und uns in unsere Zelte zurück ziehen. Das Zitat des Tages, notabene am Nationalfeiertag der Amerikaner kommt von Scott: „America has no shortage of Idiots!“

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