5.8.2016 – Muskel-Hangover (78.4km)

Anstelle von einem Frühstück aus der Tasche gehen wir ins Cafe und gönnen uns einen warmen Start in den verregneten Tag. Und das hat es in sich! Hunzis zwei Pancakes haben nicht übertrieben einen Durchmesser von locker 30cm und türmen sich gute 5cm hoch auf. Das nenn ich mal eine Portion… Im Gegensatz zum Koch meint es Petrus nicht so gut mit uns. Nach dem Dauerregen durch die Nacht, gehts auch am Morgen verregnet weiter.
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Mit allen Schichten Kleidern gehts den Wiedrigkeiten zum Trotz zurück auf die Strasse. Ich habe mir aus zwei Plastiksäcken und etwas Klebeband Schuh-Überzüge gebastelt, damit ich nicht wieder einen Grabenfuss erleide. Denn die Strasse ist wie gestern schon eine Schlagloch und Morast-Parade. Wir kommen zwar ganz ordentlich voran, aber der gewaltige Vortag steckt noch tief in meinen Beinen. Meine Dirt-Road-Geduld ist mal wieder ausgeschöpft, denn wie so oft in den letzten Tagen ist das Vorwärtskommen mehr Mühe als Freude. Allem voran jede noch so kleine Erhebung.
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Nach gut 35km fast stetigem Gefälle erreichen wir Horca und den Highway 17. Was keinesfalls Freudensprünge hervorruft, denn kaum auf den Asphalt abgebogen, gehts die gesamten Höhenmeter, welche wir bis jetzt auf 35km verloren haben in 7km wieder hoch! Da hilft bei mir nichtmal die kleinste Übersetzung mehr was. Erst ein 5-Hour-Energy-Shot und eine kurze Pause bringen neue Lebensgeister in mein Getriebe. Nach dem Geniessen einer wundervollen Aussicht auf das Tal, welches wir gerade durchfahren haben, gehts mit frischem Elan der La Manga Passhöhe entgegen. Was mir neue Energie verschaffte, lässt dafür Hunzi ins Loch fallen und nun ist er derjenige mit den kraftlosen Beinen. Irgendwie schaffen wirs aber ja immer irgenwie und so kommen wir auch heute auf der anvisierten Höhe an. Noch in der kurzen Abfahrt verlassen wir mal wieder die offizielle Route, denn die Karte empfiehlt in der Regenzeit die Alternative via Chama und Highway 84 nach Abiquiu zu fahren. Die Strassen über die Bergpässe im Hinterland werden scheinbar bei Nässe komplett unpassierbar. Also folgen wir dem Highway weiter durch die grünen Kuhweiden und nehmen sogleich den nächsten Pass in Angriff. Über den Cumbres Pass führt nicht nur die Schnellstrasse sondern auch eine historische Zugstrecke auf welcher noch heute täglich eine Dampflok fährt. Auch wenn die Wagons anstelle von Gold und Silber heute mit Touristen gefüllt sind.
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In der Abfahrt nach Chama, unserem Tagesziel geschehen genau drei nennenswerte Dinge: Wir passieren die Colorado-New Mexico Staatsgrenze und kommen somit im letzten Bundesstaat unserer Reise an, Hunzi legt im Plattenscore schon auf 6:2 vor und der Himmel öffnet nochmals seine Schleusen. Von Letzterem haben wir ja den ganzen Tag über noch nicht genug gesehen… Es ist ja nicht so, dass wir seit den frühen Morgenstunden regelmässig verregnet wurden und durch die dicksten Wolkenbänke fuhren. Dass wir in Chama einfahren und auf Anhieb ein Motelzimmer finden, gilt einem Wunder gleich. Denn wir haben zwei Tage zuvor das halbe Dorf abtelefoniert um ein Zimmer zu reservieren. Fehlanzeige, scheinbar ist ein grosses Filmteam im Dorf und hat alle Zimmer gebucht. Bloss eine kurzfristige Absage erspart uns eine feucht-nasse Zeltnacht. Beim Nachtessen hören wir am Nachbartisch die Klatsch-News: Scheinbar wird im Dorf gerade am Film «Wolverine 3» gedreht und es sollen sogar ein paar Hollywood-Stars wie Hugh Jackman und Co. anwesend sein. Da wir keine zu Gesicht bekommen, gut gespiesen haben und noch Einiges zu erledigen haben, ziehen wir uns nach einem Bier an der Bar zurück ins Zimmer. Hunzi macht einen grossen Platten-Service während ich meine gerissenen Regenhosen zusammennähe.

One Response to Tag 37: Platoro – Chama

  1. Beatrice Hunziker sagt:

    E Film über zwö abetürluschtigi Schwyzer wär sicher grad so interessant worde, wie das wo die Filmcrew dräjt het. U für ne Gage vo me ne Hugh Jackman hättet dir öiji Tour garantiert ungerbroche, oder ?

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