29.7. – Wiedergutmachung (109km)

Erneut ist ein frühes Frühstück angesagt, denn die Temperaturen werden nicht kühler. Also wieder vor Acht Uhr auf die Strasse und im Gegensatz zu Gestern ist es sogar ein sehr schönes Exemplar. Denn nach dem Debakel vom Vortag ist die Schotterpiste auf der Originalstrecke eine Wohltat. Anfänglich noch durch karges Ödland, führt uns der Weg am Williams Fork Reservoir vorbei und bringt uns immer tiefer ins bewaldete Hochland.
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In der Luft liegt ein leichter Duft von verbranntem Holz und am Horizont zeichnen sich verdächtige Dunstschwaden ab. Bitte nicht schon wieder ein Waldbrand! Wenn wir hier kurz vor der Passhöhe wieder beidrehen müssen mach ich schlapp… Etwas besorgt, frage ich am Zeltplatz direkt am Reservoir kurz bei ein paar Campern nach, aber niemand weiss von einem Feuer. Also weiter ins Tal hinein. Später am Tag erfahren wir, dass es zwar nicht die Passstrasse betrifft, aber tatsächlich in der Nähe ein Waldbrand wütet. Allerdings lasse man den kontrolliert abbrennen.
Exakt zur Mittagshitze hin steht uns der erste Anstieg bevor. Wiedermal läuft uns der Schweiss in Bächen runter und ich bin froh, dass Hunzi einen schlechten Tag erwischt hat. Denn selbst mit seinen müden Beinen hängt er mich anfangs fast ab. Irgendwie sind unsere Energiereserven nicht ganz synchron. Während ich morgens die Kraft eines lahmen Gauls habe, kommt der Einbruch bei Hunzi meist erst wenn die Frühstücks-Energie verbrannt ist.
Kurz vor dem Ute Pass fahren wir an einer Molybdän-Mine vorbei, welche mit einem riesigen, wüsten Schlackesee auftrumpft. Mitten im Naturschutzgebiet wird da einfach eine riesige Fläche versaut und zerstört.
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Von da an gehts gut vier Kilometer steil bergan bis zur Passhöhe auf 9550 Fuss wo wir uns einen kleinen Happen aus den Satteltaschen gönnen. Frisch gestärkt gehts einer rasanten Abfahrt entgegen, welche uns mit wundervollen Aussichten und wenig Tretaufwand verwöhnt!
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Gut 1000 Fuss tiefer im nächsten Tal gehts zurück auf den Highway, welcher uns für die nächsten 20km einen Weg durchs grüne Wallis bahnt. Erst einmal in Silverthorne angekommen, stärken wir uns mit dem obligaten Tankstellen-Eis und nehmen den Tagesabschluss in Richtung Breckenridge in Angriff. Und dieser hat es in sich! Vorallem von der schönen Seite… Denn erst mal die Interstate unterquert, gehts auf einen eigens für Fahrräder angelegten Weg zum Dillon Reservoir hoch und da auf einen Radweg dem Stausee entlang.
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Wundervolle Aussichten auf Colorados Berge mischen sich mit dem See-Ambiente zu einem würdigen Tagesabschluss und zu einem der landschaftlich schönsten Tage der bisherigen Reise. So verwundern die unzähligen Foto-Stopps auch nicht wirklich. Nichtmal die 4:1 Führung im Platten-Flicken bringt Hunzi heute aus der Ruhe! Schlechter Tag hin oder her, wir kommen aus dem Staunen und Schwärmen kaum mehr raus.
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So bahnen wir uns den Weg frohen Mutes nach Breckenridge, einer der wohl teuersten Touristen-Hochburgen entlang der Strecke, und steuern unser Zimmer an. Da alle Motels/Hotels unsere Preisklasse übersteigen haben wir uns ein Air B’n’B Zimmer gemietet und hatten so schon vor dem Losfahren am Morgen eine Unterkunft auf sicher. So können wir uns problemlos vom Angebot am Strassenrand ablenken lassen und die gerade eben entdeckte Brauerei ansteuern. Die Biere sind ausgezeichnet und eine Wohltat nach dem langen Tag. Allerdings auf fast leeren Magen auch etwas gewagt! Schnell machen wir neue Freunde am angrenzenden Tisch und unsere Gespräche über unsere Reise ziehen sich in die Länge. Ob der Alkoholpegel da jemandem die Zunge gelöst hat sei dahingestellt… (hihi)
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Mit einem kleinen Schlag im Gesicht, nehmen wir die letzten 2km in Angriff und beziehen unser Air B’n’B Zimmer etwas ausserhalb von Breckenridge. Es ist zwar niemand zu Hause, aber die Schlüsselübergabe (auf dem Türrahmen) funktioniert auch so problemlos. So stehen wir also in einem wildfremden Haus und machen es uns gemütlich. Zu mehr als einer kurzen Dusche und einem Znacht aus der Provianttasche, reicht es allerdings nicht mehr. Schon kurz nach 9 Uhr fallen wir müde und bizzeli angetrunken ins fremde Bett.

One Response to Tag 30: Kremmling – Breckenridge

  1. Beatrice Hunziker sagt:

    Toll Thomas, dass wir weiterlesen können. Die Berichte sind spannend wie ein Krimi und die Fotos ganz toll, vielen Dank für deine Mühe !!!

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