Sobald der erste Sonnenstrahl unsere Zelte trifft, verwandeln sich diese in eine Mischung aus Gewächshaus und Sauna. Also raus aus den Federn und packen. Gestern beim Einchecken haben wir eine Werbung fürs örtliche „Pancake Breakfast“ gesehen und dies wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. So sitzen wir also vor einem aufgestapelten Teller aus Pancakes, Rührei und Würsten und starten kalorienreich in den Tag. Wir können es gebrauchen, denn trotz aller Gebrechen haben wir uns gegen die Highway-Abkürzung und für die Originalroute entschieden. Auch wenn diese einen grossen Anstieg und eine Dirt-Road beinhaltet. Bevor wir jedoch losfahren, kaufe ich mir noch eine Knie-Kompresse, die mein lädiertes Knie stabilisieren soll. Und nach den ersten Kilometern kann ich mit Gewissheit sagen, sie macht einen ganz tollen Job! So gehts den 300 Höhenmeter Anstieg zum Tagesbeginn problemlos hoch. Oben angekommen beginnt die Fahrt durch ein zermürbtes Kohle-Abbau-Gebiet. Kohlehaufen links und grosse Lager- und Abfüll-Silos rechts zieren das Strassenbild. Mitten durch fahren wir voll in den Gegenwind hinein und dringen immer tiefer ins Tal hinein bevor wir auf die Fordging River Road abbiegen. Eine kleine Schotterpiste, welche uns durch ein malerisches Valley in die absolute Verlassenheit führt. Vielleicht (aber nur vielleicht) hätte uns das Schild „No through road. Washout“ ein Zeichen sein sollen, aber wir habens mit einem „pha, das gilt doch nur für Autos“ agetan. Hätten wir uns bloss erkundigt, denn keine 20km das Tal runter, fahren wir tatsächlich an eine grosse Absperrung heran! Weiss auf rot steht da in grossen Buchstaben „Washout“ und auch unsere Hoffnung, dass es für Velos nicht gilt, schwindet dahin! Denn auf gut 15m ist die komplette Felswand inklusive Strasse weggespühlt. Fieberhaft nach einem Ausweg suchend, wende ich mich den Korrigendum-Ausdrucken zu, welche es zu den offiziellen Karten der Strecke gibt. Und tatsächlich steht da, seit den grossen Überschwemmungen im Jahr 2013 (ich kann mich noch daran erinnern…) wurde die Strasse nicht repariert. Alternativen? Fehlanzeige… Doch auch die rund 28 km zurück nach Elkford sind keine tolle Option. Der Frust weckt den Abenteurer in mir und ich suche nach einem Weg durch den Erdrutsch hindurch. Vielleicht von unten die Fahrräder hochhieven. Könnte klappen. Also runter zum Fluss und das ganze mal von da aus beobachten. Unten angekommen treffen wir auf einen Fliegenfischer und seine Familie. Auf die Frage nach einer Route zurück zur Strasse entgegnet er „Natürlich, die gibt es! Ihr müsst einfach zweimal durch den Fluss“.

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Klingt abenteuerlich, rettet uns aber den Tag. Aber schliesslich sind wir auf ein Abenteuer eingestellt und zu faul um jetzt wieder umzukehren. Also warden die Taschen ab dem Rad genommen, die Hosenbeine hochgekrempelt und es geht rein ins kalte Nass! Knapp bis zu den Oberschenkeln im Wasser gehts zuerst mit den Taschen und dann mit dem Rad durch die Furt. Die zweite Überquerung etwas den Fluss runter, gestaltet sich schwieriger, denn die Strömung ist hier viel stärker. Schon ich mit meinen langen Beinen habe Mühe mich dem Strom entgegen zu setzten. Also muss eine Alternative her, welche sich weiter unten im seichten Gewässer bietet.

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Einigermassen trocken kommen wir und unsere Ausrüstung am anderen Ufer an und nach einem verdienten Mittags-Snack gehts zurück auf die Strasse. Zudem müssen wir unsere Schuhe und Socken trocknen lassen. Frisch gestärkt sind die letzten Kilometer zurück zur Zivilisation in Sparwood schnell in Angriff genommen. Zwar blast uns der Gegenwind fast bis zum Stillstand ins Gesicht, aber mit gekonntem Windschattenfahren gehts ganz prima. In Sparwood, einer Kohle-Abbau-Stadt, besuchen wir kurz den Terex Titan, der ehemals grösste Muldenlader der Welt. Sein Fassungsvermögen von 230 Tonnen Kohle spricht Bände!

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Von Sparwood bis Fernie, unserem Tagesziel gibts nicht mehr viel zu sehen und so „windschättelen“ wir uns neben viel Verkehr über den Highway durchs grüne Tal. Kaum in Fernie eingefahren, treffen wir wieder auf Ted und Mat und fahren anschliessend ins selbe Motel. Natürlich darf etwas Prahlerei ob der Flussüberquerung nicht fehlen. Eine langersehnte, wohltuende Dusche und ein exklusives Dinner spatter fallen wir müde ins Bett.

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