Die erste Continental Divide Überquerung
Der Jetlag holt uns früh aus unseren Zelten raus. Mit dem ersten Tag der Tour in den Gebeinen dauert es länger bis die Lebensgeister wach genug sind um ans Zusammenpacken und die Weiterfahrt zu denken. Gegen 10 Uhr, also doch deutlich früher als am gestrigen Tag, machen wir uns auf, den Tag 2 in Angriff zu nehmen. Los gehts mit demselben mühsamen Aufstieg, den wir tags zuvor schon verflucht haben. Sofort spüren wir die schweren Beine und die strapazierten Hintern. Erstmal oben angekommen geniessen wir gute 10km asphaltierten Radwegs, der uns vom Lower Kananakis Lake zum benachbarten Upper Kananakis Lake führt. Einen letzten Verpflegungsstop und drei Highway-Kilometer später stehen wir am Fusse dessen, was meine Karte als „Virtual Wall“ beschreibt. Eine Schotterpiste, welche sich erbarmungslos den Berg hochzieht. Immerhin zwei Drittel schaffe ich fahrend, der Rest muss aber geschoben werden.
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Immerhin ein Teil des Aufstiegs zum Elk-Pass ist schon geschafft. Dachten wir jedenfalls, denn nur kurze Zeit später gehts all die gewonnenen Höhenmeter über Stock und Stein wieder runter. Nur um einen kleinen Fluss zu überqueren und danach gleich wieder ein 600 Meter Schiebestück einzulegen. Diesmal bleibt uns die Höhe aber und so geht es unter Hochspannungsleitungen dem Elk-Pass entgegen. Die zwei Amerikaner, welche wir schon am Morgen auf dem Campground gesehen haben, im Rücken erreichen wir die Passhöhe und erste Continental Divide Überquerung kurz nach Mittag. Das Gipfel-Selfie gibts leider ohne Schild oder Weg-Marker.
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Was folgt ist ein rasanter Abstieg, der unser Material auf eine harte Qualitätsprobe stellt. Schlaglöcher, Schlammpfützen, Schotter, Äste und Wurzeln fordern ihren Tribut und unten an der Abfahrt ist ein Flaschenhalter gebrochen und mein Gepäckträger braucht mechanische Zuwendung. Mitten im Service holen uns die zwei Amis ein, doch schon im nächsten Aufstieg ziehen wir wieder vorbei. Weiter gehts über eine besser fahrbare Schotterpiste bis wir eine Recreational Site finden wo wir beschliessen uns ein warmes Mittagessen zu gönnen. Also wird Kocher und Fleisch ausgepackt und die Outdoor-Küche angefeuert. Wieder treffen wir dabei auf die zwei Amerikaner von denen wir nach wie vor keine Namen wissen. Sie brauchen unseren Rat was die Strecke angeht, denn sie wollten gerade den hüfttiefen Elk-River überqueren. Das ganze stellt sich allerdings als mangelhaftes Verstehen von Karte und Distanzen heraus, denn über den Fluss gehts erst gute 30km später. Und erst noch über eine grosse Brücke. Diese erreichen wir nach ein paar Stunden Fahrt durch ein bewaldetes Tal, welches je weiter wir fahren umso breiter wird.

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Mal auf besserem, mal auf schlechterem Schotter und mal gar auf einem Verbund aus Schlaglöchern und Pfützen, bahnen wir uns unseren Weg in bewohntes Gebiet. Mein rechtes Knie beherbergt einen konstanten, stechenden Schmerz und auch Bögli hat verschiedene kleinere Blessuren. Müde und ausgepowert erreichen wir die Kleinstadt Elkford. Es ist Canada Day und mit etwas Glück ergattern wir den letzten Platz auf dem Campground. Aber leise wird der Abend ganz und gar nicht, überall läuft Musik und es wird ordentlich gefeiert. Beim Nachtessen treffen wir abermals zwei altbekannte Gesichter und nun haben diese sogar einen Namen. Unsere zwei Amerikanischen Verfolger heissen Matt und Ted und kommen aus Long Island, New York. Ein guter Smalltalk, ein kaltes Bier und ein unglaublich lautes Feuerwerk direkt über unseren Zelten später fallen wir in den verdienten Schlaf.

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