15.7.16: Headwind-Shortcut (121km)

Der Tag soll lange werden, deshalb wollen wir früh auf der Strasse sein. Für eine Motel-Nacht ist 09:30 aber früh genug. Die Fahrt beginnt dort wo wir sie gestern Abend unterbrochen haben. Mitten in der rasanten Gipfelabfahrt. Recht kühl zieht uns der morgendliche Wind um die Ohren als wir in die weiten Flächen Montanas hinaus düsen. Der angesteuerte Grocery-Store, wo wir unsere Wasservorräte für den Tag füllen wollen, hat leider bis am Nachmittag zu. So müssen wir für den Nachschub in den Bidons kreativ werden. Denn abgesehen von dem 20 Seelen-Dorf Polaris, gibts auf der Strecke bis Dell (bei Kilometer 105) keine Zivilisation mehr. Also fahren wir beim klitzekleinen Post-Office vorbei wo Brenda netterweise die Nachbarin herbei ruft. Bei ihr dürfen wir neben dem Trailer die Grundwasser-Pumpe nutzen. Mitten im Nirgendwo wiedermal eine hilfsbereite Geste der goldenen Art!
Von Polaris aus steuern wir den Highway 278 an und ich treffe da für 12km auf einen alten Bekannten, denn just diesen Highway habe ich sechs Jahre zuvor auf meiner Coast-to-coast Strecke in die Gegenrichtung schon befahren. Da kommen gleich Erinnerungen hoch und ich erzähle Hunzi bestimmt zum 100x von der Reise. Auf halber Höhe zum Badger Pass biegen wir nach rechts in Richtung Bannack State Park ab. Die ehemalige Hauptstadt des Bundesstaats Montana verlor zuerst den Hauptstadt-Titel, dann das Goldvorkommen und zum Schluss auch sämtliche Einwohner. Zurück blieb eine Geisterstadt mitten im Nichts.
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Von da aus fahren wir direkt gen Süden wo es bis an den Horizont nur Büsche, Kühe und eine verstaubte Schotterpiste gibt. Nach 20km mitten durch Viehherden biegen wir eimal mehr von der offiziellen Strecke ab. Wir umfahren eine gut 100km lange Fahrt durchs verlassene Hinterland indem wir wiedermal auf die Interstate ausweichen. Nach bereits über 80 Tageskilometern und dem späten Mittagshalt am Clark Cannyon Reservoir, folgen die wohl schlechtesten fünf Kilometer Nebenstrassen der bisherigen Strecke. Zermürbendes Washboarding (Buckelpiste/Panzerpiste) erstreckt sich über die volle breite der Strasse und lässt keinen Zentimeter Platz um ungeschüttelt vorwärts zu kommen. Es ist zum Kotzen! Der intensive Kurzregen macht die Sache auch nicht erträglicher. Da kann der Wechsel auf den Autobahn-Asphalt ja nur besser werden. Haben wir uns zumindest gedacht… Denn erst einmal auf die Interstate abgeschwenkt, erfasst uns eine volle Packung Gegenwind. So werden die noch ausstehenden 30km definitiv zur frustrierenden Qual. Wir schleppen uns kämpferisch bis nach Dell wo wir im Windschatten der Tankstelle eine kurze Pause bei Glace und Süssgetränk einlegen. Frisch gestärkt, aber vorallem ohne Aussicht auf ein Schlafplatz, machen wir uns immernoch fluchend an die 15km-Abschlussstrecke nach Lima. Nach den rund 121 Tageskilometern erreichen wir ausgepowert das Motel und können endlich durchatmen. Nach dem Einchecken, Duschen und Waschen lassen wir den Abend mit den zwei CDT-Hikern Scott „Knees“ und Curtis „Homework“ bei einem Bier und langen Gesprächen ausklingen.

One Response to Tag 16: Elkhorn Hotsprings – Lima

  1. Beatrice Hunziker sagt:

    Wie nur, kann man sich nach so einem Tag bis zum Morgen erholen ?

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