11.7.16 – Tripple-Divide-Century-Day

Der Tag soll lange und anstrengend werden, was uns verhältnissmässig früh aus den Federn und auf die Strasse bringt. Pünktlich zu den Schalteröffnungszeiten sind wir beim Postoffice, denn Böglich hat uns noch die vergessene Apotheke aus seinem Gepäck geschickt. Ein Nachfüll-Stopp im Grocery-Store später machen wir uns auf den Weg ins Hinterland, der ersten Divide-Überquerung in den USA entgegen. Das Wetter ist noch immer verhangen und nach der regnerischen Nacht ist der Boden völlig aufgeweicht. Abermals fühlt sich das Fahren an, wie durch Lehm zu stapfen und jeder Pedaltritt erfordert doppelte Kraft. Dazu weht noch ein ganz fieser, kalter Wind. So sind schnell ein paar Schichten mehr und eine Kappe unter dem Helm montiert.

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Mit viel Kraftaufwand und lautem Gefluche kämpfen wir uns immer tiefer ins Tal hinein bevor es auf einer kleienn Nebenstrasse unerbittlich dem Gipfel zu geht. Teils fahrend, teils schiebend schleppen wir uns bei Nieselregen auf einer alten Mienenstrasse der Passhöhe entgegen. Unterwegs überholen wir ein Päärchen aus Holland und plaudern kurz, bevor es unter grosser Anstrengung auf den Gipfel geht.

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Bei frostiger Kälte machen wir das Divide-Selfie und brausen auf der anderen Seite ins Tal runter. Diesseits der Divide zeigt sich das Wetter von einer viel besseren Seite und auch die Landschaft ändert sich schlagartig. Die letzten Wochen sind wir durch dichte Wälder gefahren und plötzlich ist alles viel kahler und karger. Alles wirkt viel trockener und dürrer. Was nicht wirklich fördernd für unser Weiterkommen ist, denn nun müssen die zwei Fotografen in uns an jeder zweiten Kehre Halt machen und etwas fotografieren…

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Nach einem üblen Zwischenstück mit viel Gegenwind und einer Mittagspause am Waldrand, gehts der zweiten Divide-Überquerung entgegen. Schleichend arbeiten wir uns Höhenmeter um Höhenmeter ins verlassene Minen-Gebiet weiter. Von jemand anderem als den Great-Divide-Radlern wird die längst verlassene Strasse wohl kaum mehr genutzt, denn sie weist einen katastrophalen Zustand auf. Loser Schotter mischen sich mit tiefen und grossen Kratern und quer über die Strasse öffnen sich kleine Mini-Cannyons.

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Neben der Strasse bietet sich uns eine Revue von Montanas goldenen Minen-Zeiten. Verrostete Dampfkessel, ausgebrannte Mühlen und Schotterberge gibt es ebenso zu sehen wie alte Mulden und Warnschilder vor tiefen Schächten. Kräfteraubende Stunden später überqueren wir für heute bereits das zweite Mal die Great Divide. Zwar verfahre ich mich kurz vor der Passhöhe heillos, aber wir finden den Weg zum Glück wieder. Die Landschaft wird immer weitläufiger und karger und so werden auch unsere Foto-Halte immer häufiger. Wohl aber auch einfach um mal kurz unsere Beine ruhen zu lassen.

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Denn kaum flacht die Strecke weider ab, gehts über Felder, Kuhweiden und entlang alter Bahnstrecken noch der dritten heutigen Divide-Überquerung entgegen. Mit schon recht müden Beinen, schaffen wir aber auch diese Herausforderung. Glücklich ob der Tagesleistung gibts ein weiteres Gipfel-Foto und los geht die endlose Abfahrt nach Helena.

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Was folgt ist ein Zückerli zum Abschluss, denn nach der zügigen Abfahrt zurück zum Highway gehts die letzten 15km wie von selbst. Der verringerte Rollwiederstand auf Asphalt und der starke Rückenwind lassen uns ohne zu pedalen mit 40 Sachen dem Tagesziel entgegen schiessen! Nach über 100km auf Schotter und Kies checken wir in ein preiswertes Motel ein, pflegen unsere müden Beine und gönnen uns zum Tagesabschluss eine 16 Inch Pizza. Übertrieben gross auf dem teller, aber ebenso gross ist auch unser Hunger 😉

One Response to Tag 12: Lincoln – Helena

  1. Beatrice Hunziker sagt:

    Für einmal Rückenwind, der ist euch zu gönnen, genau so, wie die Pizza !

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