Zurück von einer aufschlussreichen Testfahrt im Graubünden, ist die Gewissheit da, dass am Aufbau des Fahrrads noch viel geändert werden muss und das Gepäck noch immer verringert werden muss.

Der Tag begann im Hotel in Samnaun früh am Morgen. Gleich nach dem Packen und einem Stop in der Apotheke gings los. Etwas übermütig verzichtete ich auf die Möglichkeit den Aufstieg mit der Gondelbahn hinter mich zu bringen. So hiess es für die nächsten paar Stunden gegen die rund 1000 Höhenmeter bis aufs Viderjoch. In einer Abwechslung aus Schieben und Fahren erreichte ich kurz vor Mittag den Gipfel. Rund um mich herum Freizeitradler mit ihrem Mountainbikes, welche die Gondelvariante wählten. Erschöpft, aber glücklich machte ich mich an die Abfahrt in Richtung Ischgl. Bis zur Zollhütte ging es rasant bergab. Eine Wohtat für meine müden Beine. Denn ich merkte schon früh, dass ich an meiner Kondition noch viel zu arbeiten habe… In der Zollhütte gönnte ich mir dann eine gute Stärkung für den weiteren Tag. Das neue Fahrrad fährt sich einmalig, aber an der Aufhängung des Gepäcks muss noch gearbeitet werden. Ständig schlagen die Gepäcktaschen ans Rad und schleiffen während der Fahrt.

Vom Restaurant aus führte ein schmaler, gewundener Wanderweg ins Tal hinunter. Eine wackelige Brücke und ein paar Viehüter später ging es an einen brutal steilen Wanderweg nach oben. Zu 99% tragend und schiebend zog ich mein Fahrrad den Berg hoch. Erst mal oben angekommen wurde der Tag auf einen Schlag viel schöner. Auf Holzbalken brachte mich der Pfad weiter über eine belebte Alpwiese. Immerhin konnte ich wieder fahren. Gesteigert wurde das Glücksgefühl durch die anschliessende Abfahrt ins Paxnauer Tal. Mit dem Ziel «Heidelberger Hütte» vor Augen machte ich mich abermals an einen erneuten, langen Aufstieg von 400 Höhenmeter. Immer wieder Teile fahrend und Teile schiebend erreichte ich im malerischen Tal die Heidelberger Hütte. Nach einer kleinen Stärkung und einer Pause wollte ich den Tag noch nicht beenden. Zu gross war der Drang weiter zu fahren. Auch wenns schon gegen 17 Uhr zu ging. Voller Motivation machte ich mich also an den Aufstieg von der Hütte zum Fimberpass, weitere 400 Höhenmeter dem Gipfel entgegen. Fast ausschliesslich schiebend und ziehend arbeitete ich mich bei strahlendem Sonnenschein den Berg hoch. Rund eine Stunde später war der Gipfel erreicht und ich schaute in das wunderschöne Val Chöglias hinunter. Leider war mit dem Erreichen des Passes das Schieben noch nicht zu Ende, denn die Abfahrt war technisch weit über meinen Mountainbike-Fähigkeiten. Ein Mix aus losem Geröll, Schieferplatten und steilen Abhängen brachte mich dazu das vollbepackte Rad weitere 600 Höhenmeter wieder ins Tal zu schieben. Eine gebastelte Brücke und viele Kuhweiden später, konnte ich die Abfahrt wieder bei vollem Tempo geniessen. Auch wenn vom Gepäckträger her immer schlimmere Geräusche kamen. Wie es sich später herausstellte waren zu dem Zeitpunkt schon zwei von vier Schweissnähte gerissen.

In der Nähe vom kleinen Weiler Griosch verlor ich den immer schlechter ausgeschilderten Pfad vollends aus den Augen und fand mich suchend inmitten einer Wiese wieder. Zur linken eine Steilwand und zur rechten ein senkrechter Abhang in eine Schlucht. Ohne Ausweg und laut fluchend suchte ich nach dem Weg, fand jedoch nur Wanderwege und keinen Bikepfad. Etwas verirrt und langsam aber sicher müde machte ich mich quer durch das Tal auf den Weg nach Scuol. Etliche Anstiege und Abfahrten später, mittlerweile kurz vor 22 Uhr traf ich bei völliger Dunkelheit im Dorf ein. Beide Satteltaschen hingen mittlerweile an meinem Lenker da der Gepäckträger definitiv abgebrochen war. Hundemüde und entkräftigt stellte ich mein Zelt auf einem Campingplatz und kochte mir auf meinem Kocher ein paar Nudeln. Erschöpft legte ich mich spät Nachts in mein Zelt.

Einen Tag in meinem Wochenprojekt traf ich die Entscheidung abzubrechen. Der strenge Tag forderte meinem Fahrrad und mir den Tribut ab. Doch alles in allem hatte ich einen super Tag und lernte viel über den Aufbau meines Rades für die Reise im kommenden Sommer.

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